karneval_96_in_mainz.jpg96 KÖLSCH bietet in guter, alter Tradition wie in den Jahren 2008, 2009, 2011 und 2012 allen Jecken, denen, die sich dafür halten und denen, die es werden wollen, einen kleinen Ratgeber für das närrische Treiben an die Hand geben. Zunächst ein paar grundsätzliche Dinge:

1.) Wichtig ist auf´m Platz - also muss 96 Paderborn wegledern. Ohne Wenn und Aber.

2.) In Köln sagt man Fasteleer oder Fastelovend. Natürlich feiern wir Karneval - nicht Fasching!

3.) In Köln ruft man Alaaf - meist: Kölle alaaf! Nichts anderes. Wer z. B. „Helau“ ruft ist weder besonders witzig noch originell. Alaaf ist ein Hochruf, der wahrscheinlich von Coellen all aff (Köln über alles) stammt und drei Mal hintereinander gerufen wird. Der Übermut der Kölner hat also ein lange Tradition – aber was soll es, schließlich gewinnt der FC auch nächstes Jahr wieder nicht die Champions League.

4.) Bützje sind Küsschen. Zur Karnevalszeit wird immer und überall gebützt. Von Fremden wird das "Bützen" (Küssen) oft falsch verstanden. Gebützt wird im Karneval oft und gerne, auch zwischen Fremden. Damit sind keine Knutschereien gemeint, sondern kleine Küsschen mit geschürzten Lippen: Als Dank für ein Kölsch, für die Blumen (beim Karnevalszug) oder zur Begrüßung/zum Abschied. Sie sind selten als Anmache gemeint, sondern gehören einfach dazu. Fast zwecklos, sich dagegen zu wehren, da das Küssen so schnell abläuft.

5.) Die obersten Repräsentanten des Kölner Karnevals bilden Prinz, Bauer und Jungfrau, das so genannte „Dreigestirn“. Der Prinz ist der höchste Repräsentant. Ihre Deftigkeit, der Bauer, ist eine Figur, die weit in die Kölner Geschichte zurückgeht und der die Wehrhaftigkeit der Kölner symbolisiert. Ihre Lieblichkeit, die Jungfrau, wird immer von einem Mann dargestellt. Und das nicht erst seitdem Köln eine tolerante Metropole der Homosexuellen ist.

6.) Jeck nennt man den Karnevalsfan, den man nicht weiter beschreiben kann, denn: Jede Jeck is anders!

7.) Kamelle sind Bonbons und Süßigkeiten. Bei den Karnevalsumzügen werden sie seit Jahrzehnten ins Publikum geworfen. Bei den Zügen werden in den letzten Jahren jedoch kaum noch einfache Bonbons geworfen, die im Rinnstein liegenblieben, sondern Schokolade, Waffeln und andere größere Schleckereien. Ebenfalls werden Strüßjer – Blumensträuße – vergeben. Der "Schlachtruf" bei Karnevalszügen ist deshalb „Strüßjer! Kamelle!“, damit dem Rufenden Geschenke zugeworfen werden.

8.) Das Kostüm ist wichtigstes Utensil. Zur Karnevalszeit fühlt sich eher derjenige als Außenseiter, der nicht kostümiert ist. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.

9.) Schunkeln - der "Volkstanz", einfach bei den Nachbarn einhaken (auch, wenn man sie nicht kennt), und zur Seite hin und herwiegen, funktioniert im Sitzen und Stehen. Zu überwiegend kölscher Musik wird im Karneval auf den Plätzen, in den Kneipen und in den Sälen gefeiert. Jeder feiert mit jedem ein friedliches, fröhliches Fest. Die Lieder sind sehr eingängig und können schon beim ersten Wiederholen des Refrains mitgesungen werden.

10.) In Köln trinkt man Kölsch. Kein Pils, kein Weizen und erst recht kein Alt. In manchen Kiosken kann man zwar auch andere Getränke kaufen, aber in den Kneipen ist das Bestellen von Altbier ungefähr so witzig wie ein „Helau“-Ruf (siehe Punkt 3.)

Im Grunde bedeutet Karneval, gemeinsam Spaß zu haben, indem man tanzt, singt, lacht und feiert. Oder wie Wicky Junggeburth sang: "Jecke Saache met ze mache, drövver laache, dat es Karneval. Witzjer brenge, Liedscher senge, danze, sprenge, dat es Karneval." (Jecke Sachen mit zu machen, drüber lachen, das ist Karneval. Witze machen, Lieder singen, tanzen, springen, das ist Karneval.)

Jedes Jahr am 11.11. um 11 Uhr 11 startet die fünfte Jahreszeit – so auch 2014. Ganz Köln war an diesem Tag in Ausnahmezustand und feierte den Beginn der Session. 96 hatte just die Hertha aus Berlin im heimischen Olympiastadion 2:0 weggeledert, um anschließend zwei Wochen Länderspielpause zu genießen. 

Die offizielle Karnevalssession beginnt im Januar. Es gibt hunderte Karnevalssitzungen, darunter auch reine Damen- und Herrensitzungen sowie Kinder- und Vereinssitzungen. So feiern Karnevalsvereine, Berufsgruppen oder Sportvereine mit kölscher Musik, kölschen Büttenrednern und kölschem Bier.

Den Höhepunkt und Abschluss jeder Session bildet aber ohne Zweifel, die Zeit von Weiberfastnacht (dieses Jahr am Donnerstag den 12.02.2015) bis Aschermittwoch (18.02.2015). In dieser Woche steht die Stadt Kopf und jedem ist eine Anreise zu empfehlen.

In Köln kann man an den tollen Tagen wirklich nur Karneval feiern. Das restliche Leben kommt weitgehend zum Stillstand. Die städtischen Museen sind geschlossen. Einkaufsbummel gestalten sich schwierig, da besonders an Weiberfastnacht (Donnerstag) und Rosenmontag die meisten Geschäfte geschlossen haben. Auch an den anderen Tagen kann man vor geschlossenen Türen stehen oder gerät unterwegs in Umzüge oder sonstige Festivitäten.

Viele hunderttausend Jecken feiern jeden Tag als ob es der letzte wäre mit verschiedenen Höhepunkten jeden Tag. Im Folgenden möchten wir diese vorstellen:

Weiberfastnacht (Donnerstag, 12.02.2015): Für viele schon der Höhepunkt des Karnevals. Ab spätestens 11 Uhr 11 wird in den meistens Büros, Geschäften und Fabriken aufgehört zu arbeiten und der Startschuss in den Straßenkarneval gegeben. An Wieverfastelovend (=Weiberfastnacht), wird der Straßenkarneval eröffnet. Auf dem Heumarkt findet dazu eine große Freiluftsitzung statt, die schon morgens um 10 Uhr beginnt.
Um 11 Uhr kommt das Dreigestirn auf die Bühne, der Prinz hält eine Ansprache und die Stadt Köln übergibt ihm für die tollen Tage die Schlüssel der Stadt. Ab 11 Uhr 11 wird dann in der Stadt den ganzen Tag und die ganze Nacht auf den Straßen, in den Kneipen und in den Büros gefeiert. Traditionell wird am Severinstor um 13 Uhr das Historienspiel "Jan und Griet" aufgeführt, in dessen Anschluss ein Umzug durch die Stadt bis zum Denkmal "Jan von Werth" am Altermarkt veranstaltet wird.

Traditionell schneiden die „jecken Wiever“ am Donnerstag den Männern ihre Schlipse ab und bedanken sich mit einem Bützchen dafür.

Am Freitag und Samstag wird abends in den Kneipen der ganzen Stadt gefeiert. Wer das besondere Flair des Fastelovends mitbekommen möchte, sollte jene Kneipen aufsuchen, in denen kölsche Karnevalsmusik gespielt wird. Besonders voll wird es in der Altstadt, auf der Zülpicher Straße und auf der Friesenstraße.
Am Karnevalssamstag fand traditionell der Geisterzug statt, der seine Premiere im Jahre 1991 hatte: Wegen des Golfkrieges wurden damals die Aktivitäten des offiziellen Straßenkarnevals abgesagt. Trotzdem fanden sich viele Jecken zu einer Anti-Golfkriegs-Demo zusammen: Der erste Geisterzug war geboren. Wie der Name schon sagt wählen die meisten Teilnehmer dunkle, blutige Geisterkostüme, die auch an Halloween getragen werden könnten, leider fällt dieser Zug in diesem Jahr aus.

Am Sonntag finden die Schull- und Veedelszöch (Schul- und Stadtteilzüge) statt, die ab 11 Uhr durch die Stadt ziehen. Sie nehmen fast den gleichen Zugweg wie der Rosenmontagszug. Die phantasievollen Kostüme der vielen Kölner Schulgruppen locken die Menschenmengen an den Zugweg.
Auch in den meisten Stadtteilen Kölns sowie den umliegenden Dörfern werden Umzüge durchgeführt - und das nicht nur am Sonntag, sondern während der ganzen Tage zwischen Wieverfastelovend und Veilchendienstag. Wer vom Karneval nicht genug bekommen kann, hat also die freie Auswahl.

Der Rosenmontag (16.02.2015) ist neben Weiberfastnacht der absolute Höhepunkt des Straßenkarnevals. Der berühmte Kölner Rosenmontagszug geht um 10:11 Uhr am Chlodwigplatz los und braucht für den 6,5 Kilometer langen Weg quer durch die Innenstadt etwa vier Stunden. Im Jahre 2015 steht der Rosenmontagszug unter dem Motto "social jeck - kunterbunt vernetzt", was auch das Motto der gesamten Session ist.

Bereits Stunden, bevor die "Blauen Funken" traditionell als erste Gruppe den Umzug anführen und ankündigen, beziehen viele Jecke schon ihre Plätze am Straßenrand, ausgestattet mit Campingstühlchen, Proviant und Kölsch. Zur Musik aus den mitgebrachten Kassettenrekordern schunkelt man sich warm. Viele Kölner und Zugereiste beziehen mittlerweile Plätze auf Tribünen, die entlang der Zugstrecke aufgebaut werden.
Tipp: Geht mit so vielen Freunden und Bekannten wie möglich zum Zug. So vergeht die Zeit am Zugweg wie im Fluge, man trinkt, tanzt und schunkelt, und bekommt, im besten Fall, vom Zug selbst gar nicht so viel mit. Wer zum ersten Mal dabei ist: Tüte für die Kamelle und Strüßjer, die Wurfartikel, die von den Wagen herab unter das jecke Volk geworfen werden, mitbringen!

Nach dem anstrengenden Montag, an dem die meisten Kölner frei haben, kehrt am Veilchendienstag wieder ein wenig Ruhe ein. Was man aber am Abend nicht versäumen sollte, ist die Nubbelverbrennung: Der Nubbel ist eine lebensgroße Strohpuppe, die während der Karnevalstage vor vielen Kölner Kneipen hängt.
Er muß für alle Sünden büßen, die während der tollen Tage begangen wurden und wird unter großem Wehklagen, Beschimpfungen und dem Singen von fröhlichen Karnevalsliedern verbrannt. Anschließend strömt das Volk in die Kneipen, um den letzten Karnevalstag der Session gebührend ausklingen zu lassen.

Am Aschermittwoch (18.02.2015) ist - nicht nur getreu eines alten Karnevalsschlagers des Kölner Sängers Jupp Schmitz aus dem Jahre 1953 - alles vorbei. Wer von der vielen Feierei noch einen dicken Kopf hat, der bekämpft seinen Kater beim traditionellen Fischessen, zu dem viele Kölner Gastronomiebetriebe einladen.

Also: Ajuja und Alaaf. Mit einem erfoglreichen Sieg gegen Paderborn auf ins Karnevalstreiben!


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