Hannover 96 II – SV Meppen 3:0 (1:0) und Hannover 96 – Borussia M´Gladbach 0:3 (0:1) am 18.10.2014

Morgen spielt 96 gegen Mönchengladbach. In Gladbach. Keine 70km von hier. Ich habe Zeit. Ich fahre nicht hin.
Was musste passieren, dass mir der Spaß daran, ein 96 Spiel im Stadion zu schauen komplett abhanden gekommen ist?
Ich habe keine Lust mehr in einem Block zu stehen und mich zerrissen zu fühlen zwischen dem Drang, alles für die Mannschaft zu geben, anzufeuern, mitzufiebern, aber andererseits dieser ignoranten und bornierten Vereinsführung mein „So nicht, ihr verlogenen Sackgesichter!“ entgegen zu schleudern und eben nicht einfach mal eben all den Mist zu vergessen, den man uns zugemutet hat.
In diesem Verein stimmt so vieles momentan nicht, dass es mir schwerfällt, Außenstehenden zu vermitteln, woran ich gerade leide. Liebeskummer oder Entzug könnte man es vielleicht nennen.
Gibt es Alternativen? Eine neue Liebe? Oder zumindest Methadon? Versucht habe ich es. Vor einem halben Jahr, auch damals lautete die Partie 96 – Mönchengladbach.

Der Plan war ein guter, denn Herkel hatte zu kühlen Getränken, und Fußball satt in die Landeshauptstadt geladen. Marvin und ich folgten dem Ruf und schlugen bereits am Freitagabend in der schönen hannöverschen Südstadt auf. Denn erster Stop war ein Heimspiel des VfL Eintracht Hannover. Hier traf sich die Truppe und fabrizierte beim unterhaltsamen und torreichen Flutlichtkick reichlich Leergut, bevor wir die recht dürftige Kneipenlandschaft der Umgebung erkundeten.

Der nächste Morgen kam früher als erwartet, und der Weg nach Ricklingen zum Beekestadion länger als gedacht, so dass das Spiel der 96 Amateure gegen Meppen bereits lief, als wir eintrafen. Vor den Toren trieb sich noch Daniel ohne Eintrittskarte herum, doch trotz „ausverkauftem Haus“ ließ sich auch dieses Problem mit dem freundlichen Einlasspersonal regeln. Ein sonniger Herbstsamstag, leckeres Konterbier und Bratwurst, ein prall gefüllter Heimblock mit mächtig Dampf, und auch unsere Fahne war bereits von Kuni medienwirksam hinter dem Tor platziert, es fehlten lediglich die Medien. So genossen wir einen ungefährdeten 3:0 Heimsieg, bevor wir uns mit etlichen anderen Leidensgenossen, die wie wir wohl nicht von der alten Liebe lassen konnten, auf den Weg zur HDI-Arena machten. (Ja, diesen Namen halte ich unter den gegebenen Umständen für den angebrachtesten.) Dem Anlass entsprechend ging es für uns auf die Ost, ganz oben, auch der Spratte gab sich die Ehre. Über die Stimmung bei Heimspielen von 96 ist an anderer Stelle bereits viel geschrieben worden, so dass hier lediglich zu sagen bleibt, dass sie sich an diesem Samstag dem Niveau der Leistung unserer Mannschaft anpasste. Die Roten gingen verdient mit 0:3 baden. Wir flüchteten uns in Sarkasmus und Plörrebier, welches dort oben erstaunlich konstant floss.

Im weiteren Verlauf des Abends, der im Elite-Biergarten begann, lernten wir noch schlitzohrige Taxifahrer kennen, die uns mit dem Versprechen auf „halbe Praaas“ köderten, beglückten Herkels Schwager auf dem Kindergeburtstag seines Sohnes mit kritische Fragen zur Inneneinrichtung und Namensgebung der Kinder, und gaben Polizisten nützliche Hinweise bei der Räumung einer Hausbesetzung: „Sagt doch einfach, ihr dreht hier einen Tatort.“ Dann suchten wir noch den kleinen Mann, der den ganzen Spaß ja schließlich bezahlen sollte. Dem fröhlichen Abend folgte für mich eine bescheidene Nacht mit verdorbenem Magen, den wohl die höchst vertrauenserweckenden Chicken-Nuggets in einer Shisha-Bar zu verantworten hatten.

Hat also dieses ereignisreiche Wochenende bewiesen, dass es doch noch geht, Fußball und Spaß? 96 und ich? Ich kann das noch nicht beurteilen. Bei den Amas ist es nett, aber mit Herzblut bin ich da nicht dabei und das Spiel in der Arena war nur alkoholisiert erträglich.
Festzuhalten bleibt aber: Mit guten Freunden ist so ein Tag nach wie vor eine große Sache, es kommt auf die Truppe an und was man daraus macht. Auch wenn die Grübelei spätestens am nächsten Tag mit dem Klick auf das Fanmag wieder neu beginnt.

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