Hannover 96 – Hansa Rostock 0:1 (0:1) am 05.03.2005

Beim Blick auf die Tabelle vor dem Spiel hätte man denken können, dass sich die Situation im Vergleich zum Aufeinandertreffen in der Vorrunde grundsätzlich verändert hätte. Hätte wohlgemerkt. Nachdem in der Hinrunde der Letzte beim Vorletzten antrat, spielte diesmal der Zehnte gegen den Letzten. Doch der Tabellenstand täuschte definitiv über den aktuellen Leistungsstand der Roten hinweg. Das Hinspiel war für 96 der Beginn einer Siegesserie, im Zuge welcher die Hannoveraner es bis auf den vierten Tabellenplatz der Bundesliga schafften, momentan zeigt die Entwicklung in die andere Richtung. Erfolge wecken so gut wie immer Begehrlichkeiten und verwischen den Blick auf das Wirkliche – so auch in Hannover.
Der Trainer bekam – wie vor Jahren in Köln – aufgrund der Erfolgsserie eine gut dotierte Vertragsverlängerung. Durchschnittliche Bundesligaspieler pokerten im Sog des Erfolges um deutlich verbesserte Verträge, der Spieler Zuraw schaffte mit 33 Jahren sogar den Sprung in die polnische Nationalmannschaft. Was bei all dem Erfolg verloren ging, war der Blick auf die wirkliche Leistungsfähigkeit. Spiel um Spiel geht momentan verloren, ohne das in der Mannschaft auch nur ein klitzekleines Aufbäumen zu erkennen wäre. Lienens Entwicklung in Köln dürfte auch jedem bekannt sein.

Der Trainer Lienen hält Spiel für Spiel an seinen Lieblingen fest, und gerade jetzt muss hinterfragt werden, ob man einen Spieler wie Sousa wegen gekränkter Eitelkeiten nach Holland hätte abschieben müssen. Dem (ebenfalls um einen Millionenvertrag feilschenden) Krupi täte eine Auszeit, oder aber auch nur ein bisschen Entlastung, momentan sicher gut. Gleiches gilt für Zuraw, von Spiel zu Spiel wirkt er unsicherer. Schneider und Vinicius ständen als Alternativen bereit.

Problematisch ist der sportliche Niedergang auch im Hinblick auf die Saison 2005/06. Welcher Spieler unterschreibt unter den oben beschriebenen Bedingungen in Hannover??? Der Führende der Torschützenliste der Regionalliga Süd, Patrick Helmes, und der U 21-Nationalspieler Marvin Matip (u. a. vom HSV umworben), haben in Köln unterschrieben, die angestrebte Verpflichtung von Simon Rolfes droht ebenfalls zu scheitern.

Zum Spiel: Das Bundesliga-Tabellenkellerkind Hansa Rostock traf auf das Rückrunden-Tabellenkellerkind Hannover 96. Das DSF beschrieb die Situation vor dem Spiel wie folgt: “Wenn nix mehr geht, gehts nach Hannover, da geht immer etwas!”

Im Spiel der momentan (neben Freiburg) schwächsten Bundesligateams erarbeitete sich Hansa Rostock direkt ein Übergewicht. Wie schon gegen Leverkusen, Dortmund und Bremen hatte der Gast direkt zwei 100%ige-Torchancen. Gott sei Dank ist Rostock im Abschluss ähnlich schlecht wie Hannover, so dass Enke zweimal gegen freistehendene Hansa-Spieler klären und der obligatorische frühe Rückstand verhindert werden konnte. Rade Prica, angeblich ein potentieller Neuzugang der Roten, gelang dann im fünften Versuch per Kopfball der Führungstreffer.

Der Rückstand führte nicht zu einem Aufbäumen der Roten, was nicht zuletzt daran lag, dass bei den Fans nun sämtliche Dämme brachen und der ganze aufgestaute Frust der vergangenen Monate ausbrach. Folgende Sprechchöre waren aus tausenden Kehlen zu hören:

Ausser Enke könnt ihr alle Gehen.
Lienen raus.
Wir wollen euch kämpfen sehen.
Wir haben die Schnauze voll, wir haben die Schnauze voll.
So ein Tag, so wunderschön wie heute…
Auswärtssieg, Auswärtssieg…

Es kam im Laufe des Spiels, wie es kommen musste. 96 bemühte sich, aber es haperte massiv im Spielaufbau und etliche Pässe landeten beim Gegner oder im Seitenaus. Die zwei Torchancen der Roten überstanden die Gäste unbeschadet und so konnten wir zum Ende glücklich sein, nicht noch höher zu verlieren. Es ist mir ein Rätsel, wie es mit dieser Mannschaft weitergehen soll. Rostock kam mit einer Serie von 15 (!!!) sieglosen Spielen in die AWD-Arena und selbst bei der Schießbude der Liga in Freiburg erreichten die Roten nur einen Punkt. Gegen wen soll diese Mannschaft noch Erfolg haben?

Das einzig Beruhigende im Moment ist Lage bei den Kontrahenten im Abstiegskampf. Freiburg, Rostock und Bochum scheinen noch schlechter zu sein, so dass der Klassenerhalt für die Roten zu realisieren sein sollte. Seit Wochen geht es für 96 pro Spieltag einen Platz weiter Richtung Keller, hoffentlich wird dieser Trend bei Platz 15 gestoppt!

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