FSV Mainz – Hannover 96 1:2 (0:1) am 28.04.2007

Schon zu oft habe ich es angekündigt, immer wieder versprochen, so dass wohl niemand noch wirklich daran geglaubt hat, dass ich es irgendwann einmal tatsächlich tue. Aber jetzt ist die Zeit reif, ich bin so weit: Hier kommt der Bericht über „Die perfekte Auswärtsfahrt“.

Wir schreiben das Jahr 2007 nach Christi Geburt, es ist April, der 28. Eine Auswärtstour steht an, auf die ich mich schon die ganze Woche freue. Das Wetter verspricht Gutes und so klettert auch heute das Quecksilber knapp an die 30° Marke. Eine Reisegruppe von acht 96-Kölschen steigt zeitig am Samstagvormittag in die Regionalbahn gen Süden.

Schon die Zugstrecke weiß zu gefallen. Während wir diverse Rheinschlösser und die Loreley bestaunen, werden die ersten Biere geleert und ich äußere spontan mein Bauchgefühl, dass dies unser Tag wird, „der perfekte Tag“! Noch teilen jedoch nicht alle meinen Optimismus.

Nach problemlosem Umstieg in Koblenz erreichen wir pünktlich die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz. Die großzügige Zeitplanung lässt einen ausgedehnten Stop im Biergarten direkt auf dem Bahnhofsvorplatz zu, wo bei kühlem Blonden und Sonnencreme langsam die Stimmung steigt. Nach lockerem Spatziergang zum Mainzer Bruchweg ergattern wir im gut gefüllten Auswärtsblock ordentliche Plätze, recht nah unten am Zaun. Die direkte Sonneneinstrahlung und der kontinuierliche Getränkezufluss animieren bald einen Großteil des Mobs, auf Oberbekleidung zu verzichten. Die Stimmung ist prächtig, auch wenn der Karnevalsverein einen Großteil der Zuschauer mit leicht nervtötenden Papp-Klatschen ausgestattet hat. Auch unsere Mannschaft sieht scheinbar ein, dass sie uns diesen Sahnetag nicht vermiesen sollte und legt einen flotten Kick auf den Rasen. Nach gut 20 Minuten schließt Mr. Rückrunde Bruggink dann einen feinen Spielzug zur 0:1 Auswärtsführung ab. Riesiger Jubel in und direkt vor unserem Block, spätestens jetzt ist die Stimmung sensationell. Die Partylaune nimmt soweit überhand, dass ich einige gute Spielzüge der weiterhin überlegenen 96er verpasse. Gleiches Bild in Halbzeit 2, das Tor zum 0:2 durch Yankov fällt und ich sehe leider nichts davon. Der Jubel und die damit verbundenen Bierduschen sind jedoch Information genug. Die Party mit stimmungsvollen Dauergesängen wird nur kurz unterbrochen, als Zidan das 1:2 erzielt und Mainz noch einmal anrennt. Doch auch der letzte Schuss der 05er landet nur am Querbalken und der Auswärtsdreier ist im Sack. Gebührend lassen sich unsere Roten feiern, beweisen jedoch leider etwas wenig Augenmaß beim Trikotverschenken und lassen beeindruckende artistische Klettereinlagen unseres Aushilfscapos unbelohnt.

Die Siegesfeier verlagert sich auf den Platz vor dem Stadion, wo aus dem nahen Supermarkt schnell ein Kasten Bier herbeigeschafft ist. Auch mehrere außerordentlich nette Mainzer sind dabei, versorgen uns sogar noch großzügig mit Kräuterlikör, der trotz dubioser Herkunft mundet. Die viel gepriesene Mainzer Gastfreundlichkeit bewahrheitet sich somit und ich begrabe meinen stillen Groll gegen die „ach so tollen, lustigen Mainzer“, die uns im Vorjahr den Fairplay-Uefa-Cup-Platz weggeschnappt hatten. Umso erstaunlicher an dem angenehmen Klima ist die Tatsache, dass wir die Klopp-Truppe mit diesem 1:2 quasi in die 2. Liga geschossen haben, mit 3 Punkten Rückstand zum rettenden Ufer und nur noch 3 Partien mit Auswärtsaufgaben in Stuttgart und München. Diese Konstellation wird mir erst jetzt bewusst und im Taumel des Sieges kommt beinahe etwas Mitleid mit den Mainzern auf. Gern wäre ich nächste Saison hierher zurückgekommen.

Die Feierlichkeiten arten schließlich etwas aus, sodass wir erst gegen 21Uhr mit einer weiteren Palette Gerstensaft und Fresspakten vom Gasthaus zum goldenen M im Zug zurück nach Köln sitzen. Vermutlich ist es der zeitlichen Distanz meiner Erzählung geschuldet, dass ich den Rest des Abends heute nur noch in schemenhafter Erinnerung habe.

Auf einen perfekten Tag, der für mich laut Zeugenaussagen gegen 4Uhr in der Früh endet, muss jedoch wohl zwangsläufig ein miserabler folgen. Dieser beginnt für mich damit, dass ich von meiner Freundin, mit der Erinnerung an ihren bereits im vollen Gange befindlichen Umzug, aus verkaterten Träumen gerissen werde. Der Rest ist sind Kopfschmerzen, 80 Treppenstufen, Übelkeit und viel Schweiß. Aber auch ganz ganz tief drinnen das gute Gefühl: Das wars wert

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