FC Kopenhagen – Hannover 96 1:2 (0:0) am 03.11.2011 um 19:00 Uhr

Wo schellt das Telefon? Richtig! In Kopenhagen.

Seit Monaten klingelt es ununterbrochen.

Das beliebte Volkslied ist einfach ein Knaller: Mottosong der völlig jecken Europa-Session 11 / 12, Platz 1 in den Poesie-Charts, umjubelt live interpretiert vom berühmten Hannoveraner Kurvenchor und Handy-Klingelton von Lars Stindl.

Dementsprechend groß war das Echo auf die Auslosung: Das Fliegen ist 96 Kölschers Lust! Kopenhagen, wir kommen. Und wir werden viele sein. Heimspiel! Die Reiseplanungen begannen frühzeitig, die meisten Angebote werden ja bekanntlich nicht billiger. Das Gute: Aus dem Rheinland sind die Reiseoptionen mannigfaltig (tolles Wort), so dass das Thema Buchung schnell erledigt war. Auch die Kartenorganisation war recht unkompliziert, freie Platzwahl im Oberrang – nicht schlecht. Nur das Wort „By“ war mir völlig unbekannt, so dass ich jetzt stolz eine eigene Stadt auf meiner Rechnung vorweisen kann: Corinna Voss, wohnhaft in Corinna Voss. Hat nicht jeder! Nachträgliche Verwirrungen um ein gemütliches Kuscheln einiger Hannoveraner mit den Kopenhagen Fans in afsnit C2 lösten sich in gute dänische Meerluft auf, an dieser Stelle könnte man Kopenhagen dann auch durchaus mal für den Integrations-Bambi vorschlagen.

Ein klitzekleines Problemchen war der Bierkonsum.

Kopenhagen ist einfach nicht sonderlich preisgünstig und der Wechselkurs nicht optimal. Und zwischen Auslosung und Spiel war einfach nicht genug Zeit, die Dänen anstelle der Griechen in die Eurozone aufzunehmen. Die Zollseiten stimmten aber zuversichtlich:

„Für verbrauchsteuerpflichtige Waren wie Genussmittel wurden deshalb nachstehende Richtmengen festgelegt, bis zu denen eine Verwendung zu privaten Zwecken angenommen wird: 110 Liter Bier.“

Auch die Fluggesellschaft SAS wusste zu beruhigen: „No problem, but please do not bring glass bottles in checked baggage.“

96 KÖLSCH in Koppenhagen

Also ging’s am Donnerstag fröhlich gen Dänemark. Auf nach Europa! Einfach zu schön, morgens in Düsseldorf am Flughafen zu stehen und überall Gleichgesinnte zu treffen. Gegen meine Flugangst halfen ein paar frische Biere übrigens ganz gut, das werde ich mir merken. Am Kopenhagener Lufthafen vergrößerte sich unsere Reisegruppe, neben Rauchverbot herrschte dort allerdings Musikverbot. No singing! Die lieblichen Klänge aus der schönsten Stadt der Welt, die ja nun immerhin auch den Gastgeber eloquent einbeziehen, waren hier unbekannt und unerwünscht. Na gut, dann lieber schnell in die Stadt. Einchecken, Bett wählen (René, schön war‘s) und los. Auf dem Weg zum Lillekröpke wurden wir sehnsüchtig von den Frühfliegern erwartet. Fahne, Foto, Freude pur. Der zentrale Treffpunkt zum Warmtrinken war gut gewählt, Poelserbude, saubere Klos, Kletterspaß auf geschichtsträchtigen Monumenten – hier passte viel. Nur das Stadion war nicht gerade um die Ecke. Aber die freundliche Politi wies uns gern den endlos langen Weg, und im Gegensatz zum Personal am Flughafen waren die Einheimischen zu 96% beglückt von so viel Sangeskunst. Dazu gab es gratis einen kleinen Vorgeschmack auf Silvester.

Am Stadion komplettierte sich die 96 Kölsch Reisegruppe, um nur Minuten später unsanft getrennt zu werden. So viele Fans, das war zu viel für die Damen am Einlass. Im Stadion war’s fast wie zuhause. Heimatliche Gesänge, schwarz-weiß-grüne Choreo – und aus Rücksicht auf die örtliche Müllabfuhr wurde das Plastik-Material dann auch gleich im Stadion verbrannt.

Die Kopenhagener begrüßten uns standesgemäß und sangen 90 Minuten „Konan Ya, my Lord, Konan Ya.“ Oder so ähnlich. Dazu wiegten sie sich andächtig im Takt von vorn nach hinten. Kurz zum Spiel: 1:0 aus der Kategorie „Aus dem Nichts“. 1:1 aus der Kategorie „Jetzt erst recht“. 1:2 aus der Kategorie „Hochverdient“! Weltklasse-Tor, klangvoller Torjubel von Stindl. So sollte das doch sein, wenn man die Heimtabelle anführt und ein Heimspiel in Kopenhagen hat (aktuell übrigens Platz 3)! Spiel gedreht, 3 Punkte im Sack, Stimmung super. Auch unser Trainer war sichtlich ergriffen. DAS ist stark, DAS ist Hannover!

Eigentlich ist das ein perfektes Schlusswort. Aber es ging ja noch weiter. Weiter, weiter, immer weiter, geradeaus, gefühlte Stunden inkl. Wartezeit, zu McDonalds, durch die Kneipen, durch die Kälte, links, rechts, nach Süden, Osten … ins Bett. Leider war an Schlaf aus ausgiebig erörterten Gründen nicht zu denken. MP3-Player, Ohrenstöpsel, nichts half. Dementsprechend gar nicht ausgeruht ging’s am nächsten Tag auf Erkundungstour. Wusstet ihr, dass Schloss Christiansborg die drei Staatsgewalten des Königreichs Dänemark beherbergt? Physische Gewalt, psychische und Pyro … Ne, Exekutive, Legislative und Judikative heißt das wohl. Und dazu die königlichen Rösser. Es stinkt wie Sau oder besser Pferd, ist aber echt schick. Danke, Mirko! Anschließend schunkelten wir uns mit dem Bötchen durch die Kanäle und perfektionierten den Wechselgesang mit den gefühlt 96.000 Brückengängern im Trikot. Hannooooooover. Hannooooooover. Als kulturbeflissene Europareisende waren Mirko und ich noch im Nationalmuseum, Jacken-Fach Nr. 96. Auch nicht so schlecht! Schade nur, dass unsere neuen Freunde am Flughafen so schnell eingeschlafen sind. Beim Rückflug hätte ich mich mal besser auch betrunken, dann wäre das höllenlaute Geschaukel vielleicht erträglicher gewesen.

Fazit: Kopenhagen ist immer eine Reise und ein Liedchen wert! Und wie wir integrierten Fans sagen: Sa længe jeg lever, sa længe mit hjerte slar. Sa længe vil jeg elske dig, 96! Nur die Sportschau-Kommentatoren glauben immer noch, Stindl wollte seine Mama anrufen. Kann er ja nach Lüttich machen …

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