Borussia Dortmund – Hannover 96 1:0 (1:0) am 19.10.2013 um 15:30 Uhr

Pläne kann man wechseln, den Verein nicht.

Nachdem mal wieder kurzfristig Zeit und Ort für das Vorglühen verlegt wurde und man damit wiederholt Andreas ausboten konnte (der gottseidank sein Handy bedienen kann und uns so fand), fand man sich vor dem Früh ein. Trotz aller unserer guten Vorsätze gelang es keinem, innerhalb von einer Stunde mehr als zwei Kölsch zu trinken, da unser Köbes irgendwie Angst um unsere Leber hatte und folglich höchst selten bei uns auftauchte.

Im Zug konnten wir einer Dame mit einer Traubenzuckergabe behilflich sein, die offenbar unterzuckert war und sich dann zur Erholung auf den Boden legte. Die Schaffnerin, die kurz darauf vorbeikam, bot an, einen Arzt zu rufen, doch die Dame lehnte ab und durfte liegen bleiben. Der bald darauf erscheinende Fahrgastzähler sah das anders und motzte direkt, sie läge ja schon wieder besoffen rum und solle sich gefälligst auf ihren Platz setzen. Unser intervenieren war der Beginn eines äußerst unerfreulichen Monologes dieses Herrn, der in kürzester Zeit den ganzen Wagon gegen sich aufzubringen verstand und sich auch leider nicht wegschicken ließ („Du sollst doch Leute zählen, also geh mal und tu deine Arbeit!“). Wir fanden auf unseren Eintrittskarten einen Trauspruch für Hannes und Linda: „Partner kann man wechseln, den Verein nicht.“, der irgendwie nur alle anderen begeisterte.
In Schwerte trafen wir auf Benny, der uns extra entgegengekommen war, um ein bisschen mehr Zeit zum Quatschen zu haben.

In Dortmund machten wir auf dem Weg zum Stadion noch einmal halt. Leider wurde nicht allen mitgeteilt, dass wir dies wegen des Glasflaschenverbotes in der Nähe des Stadions machten, sodass Obk zunächst überhaupt nicht weitertrank, obwohl er der Einzige mit einer Flasche war. Das Missverständnis wurde mit einem markigen „Björn, trink aus!“ beseitigt, und so konnte es weitergehen.

Vor dem Stadion gab es noch eine Meinungsverschiedenheit, ob wir jetzt auch tatsächlich schon ins Stadion gehen sollten, wo wir doch extra deswegen so früh hingefahren waren. Als wir uns dazu durchgerungen hatten, unseren Entschluss tatsächlich schon 45 Minuten vor Spielbeginn auszuführen, standen wir länglich in der Einlasskontrolle und waren tatsächlich noch vor der Mannschaftsaufstellung im Block. Platz hatten wir allerdings kaum, doch mit Block 8 hatten wir offenbar zumindest den Block erwischt, wo man noch rechtzeitig reinkam. Gegen 16.00 Uhr gab es nämlich eine Durchsage, in den Blöcken 60 und 61 solle man doch bitte zusammenrücken, damit die Kollegen aus Hannover auch noch reinkommen könnten.

Der Nachteil von Block 8 ist eindeutig, dass er unten ist. Steht man in der zweiten Reihe, wie ich das leider in der ersten Halbzeit tat, sieht man durch den Zaun entweder in gebückter Haltung lustige Beinchen, die mit einem Ball spielen, oder auf den Zehenspitzen die Oberkörper bekannter Fußballer, die sich nach unerklärlichem Plan vor einer grünen Wiese bewegen. Auch die Perspektive ist unschön. Hannes freute sich schon über einen Freistoß in guter Position, schön nah am Tor, als er seine Euphorie ob einer Zweimannmauer wieder bremsen musste, die bei einer Position in Tornähe niemals mit einem derartigen Personalmangel aufgestellt worden wäre.

Bei schönstem Sonnenschein ging es los, Dortmund begann nach Plan und 96 schien noch zu überlegen, was für ein Spiel sie da gerade spielen – vielleicht Fußball? Warum es schon nach drei Minuten Foulelfmeter gab, war mir völlig schleierhaft, da ich dank eines Zaunpfostens und einer geschwenkten Fahne nicht sah, was 10 Meter weiter geschah. Auf der Rückfahrt erführ ich, er sei völlig rechtens gewesen, Sakai habe eindeutig gehalten. Nun gut, unser erklärtes Ziel war ja nicht ein Sieg, sondern ein Auswärtstor, also Mund abwischen und weiter! Allerdings war mir schon ein bisschen mulmig, als Hannover in der 7. Minute schon zwei gelbe Karten plus einen gegen sich verwandelten Elfmeter zu verbuchen hatte. Wie sollte das weitergehen? Eine Hochrechnung gab Anlass zu den schlimmsten Befürchtungen.
Doch siehe da, 96 strukturierte sich zusehends und so langsam konnte man den Fußballnachtmittag genießen. In der zweiten Halbzeit wurde es immer spannender, das Auswärtstor lag in der Luft, doch gab es leider keins. Schöne Aktionen von Prib und Stindel konnten nicht darüber wegtäuschen, dass viele Dortmunder schneller laufen als ihre Kollegen aus Hannover. Auch Schulz in der Innenverteidigung gefiel und Bittencourts Eifer tat dem Spiel gut. Bis zur letzten Minute hofften und fieberten wir auf das Tor, – auch die Fernsehtruppe in Köln soll am Schluss gespannt vor dem Bildschirm gestanden haben – doch es sollte nicht sein.

Erschöpft machten wir uns auf den Heimweg. Es wurde noch Bier für den Weg zur Haltestelle besorgt, dann noch Tim begrüßt, und schon saßen wir wieder im Zug nach Schwerte. Dort deckten wir uns mit Dosenbier und Bifi mit und ohne Schlafrock ein und Hannes behielt Nils fest im Blick, damit er ihm nicht stiften ging. Beim Einstieg in den Zug verschüttete Hannes sein kostbares Nass auf eine Mahagonieklappharfe mit Hanfsaiten, die in einem Skisack steckte, was deren Besitzer verständlicherweise erzürnte. Hannes Reue wurde dank der Sprüche des Restes der Truppe irgendwann anerkannt, nachdem sie zuvor keinerlei Beachtung fand, und Kuni bekam sogar den Platz angeboten, den das teure Stück besetzte. Kuni erkannte sofort, dass er eines solchen Angebotes nicht würdig sei und blieb auf der Treppe sitzen. Mit einstimmigem Beschluss aller anwesenden 96Kölsch-Mitglieder wurde festgelegt, dass Linda und Hannes künftig auch eine Fußballküche einrichten werden. Erfreut teilte Hannes dies Linda per Telefon mit, aber diese scheint es mit der Loyalität zu Vereinsbeschlüssen nicht so genau zu nehmen. Vielleicht muss die Mitgliedsbeauftragte Manu dort noch einmal vorsprechen.

Zum Ausklang traf man sich mit der Präsidentin in Gilberts Pinte und genoss Getränke mit verschieden vielen Umdrehungen.

Merke:
1.) Wenn man nicht mit allen Leuten trinken will, muss man nicht nur kurzfristig Ort und Zeit ändern, sondern auch sein Handy ausschalten.
2.) Wenn man im Früh mehr als ein Kölsch in 30 Minuten trinken will, sollte man gleich wieder nachbestellen, wenn man sein Getränk bekommt.
3.) Wenn wir prüfen wollen, ob jemand die unausgesprochenen Erwartungen der Gruppe erkennt und ausführt, sollte man dafür sorgen, dass keiner petzt.
4.) Wenn man die vorher gefassten Beschlüsse nicht beachten will, muss man der ganzen Truppe zu deutlich mehr Alkohol verhelfen, sonst erinnert sich doch noch jemand dran, und der kann dann auch noch verständlich sprechen.
5.) Wenn man in den unteren Blöcken ist, sollte man mindestens in der dritten Reihe stehen. Da kann man sogar meistens unter den Fahnen durchgucken.

96KÖLSCH-Aufstellung: Hannes, Andreas, Marvin, Manu, Willu, Ruhrpottbenny, Kuni, Obk, Majo, Frauke

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