Hannover 96 – SC Freiburg 2:1 (1:0) am 23.05.2015 um 15:30 Uhr

Hannover 96 spielt am 34. Spieltag der Saison 2014 / 2015 gegen den SC Freiburg und… keiner geht hin! So hätte es wahrscheinlich für einem Großteil der Besucher der Nordkurve im altehrwürdigen Niedersachsenstadion geheißen, doch nachdem gegen Hoffenheim der Schulterschluss zwischen Fans und Verein geschlossen wurde, stellte der Kick gegen die Breisgauer den Abschluss einer intensiven Reisezeit da: nach Meppen, den Heimspielen gegen Hoffenheim und Havelse, dem Heimspiel gegen Bremen (und dem durch Flixbus-Verspätung verpassten Amas-Kick gegen Goslar) sowie dem Auswärtsspiel in Augsburg hieß es auch am 34. Spieltag ‘vorwärts nach weit’, denn ‘oh 96 olé, du wirst niemals untergehen’!

Klar war auch, dass es wahrscheinlich einen der beiden Kontrahenten erwischen und ein Relegationsspiel oder schlimmsten Falls der direkte Abstieg drohen würde. Bestärkt wurde dies dadurch, dass bei den Saisoanabschlussspielen von 96 in der jüngeren Vergangenheit oft ein Team auf der Strecke blieb: Bielefeld (2009), Bochum (2010), Kaiserslautern (2012) und Düsseldorf (2013) verabschiedeten sich jeweils in Liga 2. Waren nun die Roten Riesen dran, die mit der Empfehlung von acht nicht gewonnenen Heimspielen und einer jüngst beendeten Serie von 16 (!) nicht gewonnenen Spielen in Serie in das Duell gingen?

Schon bei der Anreise mit der Bahn war für jeden die Anspannung spürbar, die sich im Großraum Hannover breit machte. Es ging mal wieder um alles. Hatten doch viele im bisherigen Spieljahr eine gewisse Distanz zu den Vereinsverantwortlichen aufbauen müssen, war nun jedem, der zum Spiel reiste, klar, dass alle heute noch etwas mehr geben müssen, als bei einem ‘normalen’ Bundesligaspiel. Jeder war dafür bereit, denn absteigen wollte – trotz nicht komplett aufgearbeiteter und ausgeräumter Differenzen – heute niemand! Rückblickend ein geiles Gefühl – aber locker ist anders.

Im Zug trafen wir auch auf die ersten Freiburger, die sich ähnlich wie wir aus dem Exil, in diesem Fall aus dem Münsterland, auf den Weg gen Hannover begeben hatten. Da diese relativ schnell klar machten, dass für sie 96 heute absteigen würde, war es mit der Toleranz für die ‘netten’ Breisgauer, die keinem etwas tun, recht schnell vorbei. Klar ist das total sympathisch, dass sie viele junge Spieler auf den Bundesliganiveau bringen, die sie dann gewinnbringend verkaufen, aber anpupsen lassen muss man sich deswegen auch nicht. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott oft sofort…

Nun gut, die Reise ging weiter, Hannover war an diesem Tag Rot und es kribbelte beim Verlassen des Hauptbahnhofs. Was mit dem Empfang der Ultras beim Eintreffen am Niedersachsenstadion nach dem Amas-Spiel gegen Havelse begonnen hatte, setzte sich fort: der große Schulterschluss all derjeniger, die es in welcher Art und Weise auch immer mit dem Hannoverschen Sportverein von 1896 halten.

Wir trafen uns vor der Markthalle, wo Sultan die ersten Ankömmlinge von 96 KÖLSCH in Empfang nahm. Es gab Veltins, wobei Sultan insgeheim von einem südafrikanischen Bier träumte. Also ging es nach dem Verzehr der Fläschen auf das Bierfest an der Marktkirche, wo es neben Castle Lager, Amstel, Black Label, Castle Lager, Savanna Dry, Hunters Dry und Hunters Gold aus Südafrika auch Allersheimer und Schaumburger gab. Nachdem Sultan versorgt war, zog es uns schnell in den Dunstkreis des Stadions, wo flott noch einige Herrenhäuser vernichtet wurden.

Zügig ging es in N17, wo wir uns in der letzten Reihe einnistetten. Wir hielten die erste Runde Bier pünktlich zum Anpfif frisch in den Händen, da fand sich ein Teil von uns eine Reihe tiefer wieder – und das Bier war leer. Tatsächlich handelte es sich hierbei um kein neues Trinkspiel, sondern Kiyotake hatte per Kopf in der dritten Spielminute eingenetzt! Wahnsinn!!! Ein richtig geiler Scheiss, denn dieses 1:0 bedeutete erstmal eine massive Beruhigung unserer Nerven. Das Spiel lief also, 96 und Freiburg waren primär bemüht, keine weiteren Gegentore zu kassieren und so plätscherte das Spiel ohne besondere Vorkomnisse vor sich hin – womit wir sehr gut leben konnten. Die Stimmung war prächtig, der den roten zugeneigte Teil der Besucher zeigte sich sehr sangesfreudig und vorgegebene Wechselgesänge oder Anfeuerungsrufe wurden von fast allen Hannoveranern mitgetragen. Es war nicht ganz, wie bei den Euro-League-Festspielen, aber alle standen zusammen und das schien auch die Mannschaft zu spüren.

So ging es in die Halbzeit, 96 war auf einem guten Weg und wir deckten uns mit Getränken ein, nicht zuletzt um unsere angespannten Nerven zu beruhigen. Letztlich hätte der Ausgleich schon den Relegationsplatz für uns bedeuten können, was schon aus logistischen Gründen eine Katastrophe gewesen wäre, da die Rückflüge vom Euro-League-Endspiel hätten umgebucht werden müssen. H. war mit den Nerven runter und stützte mit Kinn und Arm die Glaswand zum Stadionäusseren. Weltmeister werden ist von der nervlichen Belastung her einfacher! Oder Marvin? Doch nachdem der in den letzten zehn Spielminuten beste 96er Pavel Krmas per Eigentor auf 2:0 erhöhte, kannte die Freude keine Grenzen mehr. Halleluja! Nur für einen wird dieses Tor nicht nur in positiver Erinnerung bleiben. Jubeltrunken und erneut kopfüber feiernd, büßte Marv seine Brille ein, die auch erst kurz vorm Abpiff, einige Reihen unter unserer, relativ zerstört wieder auftauchte.

Wie auch immer Freiburg noch zum 1:2 kam – drauf geschissen, irgendwie sah man es, aber realisieren konnte man es nicht mehr. Kurz darauf ertönte der Abpfiff und wir hatten die Gewissheit: Hannover 96 bleibt trotz Duffner und Kind erstklassig. Komisch, merkwürdig, aber trotzdem schön. Nach dem Abpfiff waren wir alle mindestens so kaputt, als hätten wir gegen die Rheinpottkanaken gekickt, aber natürlich wesentlich besoffener und so ging es glückselig wieder zurück nach Köln. Und alle waren froh, dass sie dabei waren und nicht beleidigt in Essen sassen.

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