Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 3:1 (1:1) am 14.05.2011 um 15:30 Uhr

Nachdem ich mir eine gute Woche Zeit genommen habe, den 34. Spieltag der Saison 2010/2011 wirken zu lassen, fällt mir wieder ein, dass ich mich in völliger Euphorie freiwillig gemeldet hatte, einen Spieltagsbericht zu schreiben.

Das Problem an der ganzen Sache ist natürlich, dass es nach so einem Saisonfinale gar nicht so leicht ist, alles fehlerfrei und detailgetreu wiederzugeben, erst recht nicht wenn seitdem einige Tage vergangen sind.  

Lasst euch gesagt sein liebe Leute, die Erinnerung kommt nicht nach und nach zurück, auch nicht, wenn ihr wieder nüchtern seid…

Trotzdem möchte ich versuchen, das Wichtigste wiederzugeben, auch wenn ich mich dabei teilweise nur an Stichpunkten orientieren kann.

Am besten fange ich mal morgens an. Die meisten Leute waren auf den unterschiedlichsten Wegen nach Hannover gelangt, sei es mit dem Auto, mit dem Zug, per Mitfahrgelegenheit, zu Fuss, mitm Fahrrad, geflogen, zu Pferde, was auch immer. Eine kleine Gruppe 96Kölscher fand sich jedoch zu unmenschlich früher Stunde am Kölner Hauptbahnhof ein, um traditionell auf Schienen zum Spiel zu reisen.

Ausgestattet waren selbstverständlich alle mit Frühstück (man muss ja ne Grundlage schaffen) und mit alkohol- und kohlensäurehaltigen Kaltgetränken der unterschiedlichsten Art. Dabei fanden sich unter anderem Gaffel-Kölsch (obligatorisch vom Ihr-Platz im Bahnhof), Veltins Pilsener, Bitburger (wenns denn sein muss) und als absoluten Tiefpunkt 5,0 Original von der Braunschweiger Feldschlößchen Brauerei (liebe Fürstin, die Wahl der Biersorten für Spieltagsfahrten müssen wir evtl. noch mal besprechen). Axel hatte auch noch irgendwas anderes exotisches dabei, hab aber vergessen was genau das war.

Unterwegs stiegen wir dann noch in Paderborn um, und wenn man schon mal da ist, kann man auch gleich das ortsansässige Bier testen. Haben wir getan, und festgestellt: Schmeckt scheisse. (Norman, solltest du das hier lesen, sorry.)

Mit Ankunft in der schönsten Stadt der Welt stieg auch sogleich merklich die Qualität der Biersorten. Nachdem wir Herkel, obk und Marvin unterm Schwanz getroffen hatten, machten wir uns auf den Weg zum wunderschönen NiedersAWDchsenstadion – Grund genug, erstmal n Herri zu trinken. Oder auch zwei. Oder drei.

Ich weiss nicht mehr genau wie es passierte, aber unsere Gruppe wurde immer größer und als wir vorm Stadion am berühmt-berüchtigten Baum standen, erreichten wir dann auch den vorläufigen Höhepunkt unserer bis dahin feucht-fröhlichen Reise; es wurde Lüttje Lage gereicht, ein „im Raum Hannover verbreitetes Mischgetränk aus dem speziellen obergärigen Lüttje-Lagen-Schankbier und Kornbrand.“ (Zitat Wikipedia) 

Nun mag man sich die Frage stellen, warum der vorläufige Höhepunkt? Was kann besser sein als eine Lüttje Lage zu trinken? Die Antwort ist, besser als eine Lüttje Lage können eigentlich nur noch mehrere Lüttje Lagen sein… Dazu später mehr.

Also, wir standen vorm Stadion, schnell noch ne Bratwurst, und dann hinein in den Block N17, denn es war auch schon Zeit zum Anpfiff.

So, jetzt zum Spiel. An dieser Stelle möchte ich kurz um Verständnis dafür bitten, dass ich dieses nicht im Detail beschreiben werde, was zwei Gründe hat: 1. Die umfangreiche Qualitätsstudie über Gerstensäfte und Hopfenschorlen zwischen Köln und Hannover, und 2. War das Spiel an diesem Tag wirklich nicht soo wichtig.

Zur Erinnerung: Schon vor dem Spiel stand fest, Hannover 96 wird nächste Saison in der Europa-League, das heisst, INTERNATIONAL spielen!! J 

Das ist natürlich wirklich ein Grund zum Feiern, was ca. 49000 Fans in der ausverkauften AWD-Arena auch direkt mal taten. Trotzdem wollte es sich die Mannschaft nicht nehmen lassen, diese grandiose Saison mit einem Heimsieg zu krönen.

Leider klappte das in den ersten 20 Minuten des Spiels eher weniger, was dann in der 25. Minute den Führungstreffer für die Nürnberger durch Julian Wießmeier zur Folge hatte. Die Roten ließen sich dadurch allerdings zum Glück nicht aus der Fassung bringen, und nur fünf Minuten später erzielte Karim Haggui den Ausgleich. Danach plätscherte das Spiel erstmal so vor sich hin, bis zur 60. Minute. In dieser erzielte Konstantin Rausch mit einem wunderschönen Schlenzer ins lange Eck das 2:1. Damit schien die Partystimmung auch endgültig von den Rängen auf den Rasen übergesprungen zu sein, zogen die Mitspieler doch unserem allseits beliebten Stürmer Ya Konan einfach mal zum Torjubel die Hose runter.

Nicht ganz ungefährlich, wenn man bedenkt, dass sich auch Herkel im Stadion befindet und dadurch eventuell auf dumme Ideen kommen könnte.

Wo waren wir stehen geblieben. Ya Konan, richtig. Der trifft in der 78. Minute per Elfmeter zum 3:1 Endstand, was dann auch so ziemlich die letzte nennenswerte Aktion des Spiels war.

Eigentlich ist das auch völlig egal, denn die Party war jetzt nicht mehr aufzuhalten. Das Publikum flippte aus, das Europapokallied läuft quasi in der Endlosschleife, alle sind glücklich, alle sind froh, man liegt sich in den Armen und freut sich einfach nur über diese fantastische Saison des geilsten Clubs der Welt.

Während die Mannschaft ihre Runde dreht, stehen Slomky, ääh, Fury in the Slaughterhouse vor der Nordkurve und spielen „Won’t forget these days“, treffender kann man diese Saison glaub ich auch nicht beschreiben. Wenn die Fans nicht gerade mit „Erste Runde Bukarest, zweite Runde Roooom….“- Gesängen beschäftigt sind, stimmen alle in den Refrain von Fury ein. Gänsehautfeeling pur, auf eine völlig andere Art und Weise als noch vor einem Jahr in Bochum, aber dennoch Gänsehaut.

Die Mannschaft ging dann erstmal duschen, kam aber nach einiger Zeit wieder um sich feiern zu lassen. Dabei wurden z.B. diverse Gesänge angestimmt, darunter seltsame serbische Schauerklänge von Norbert Düwel, Europapokallieder und „Jedes Jahr ein Kind“ von Mirko Slomka, Humba mit der Mannschaft und ähnliches. Außerdem wurden ausgiebige Sektduschen verteilt (dachte ich zumindest, später erfuhr ich dass es Bierduschen waren – was für eine Verschwendung), es wurde getanzt (sogar die ganz kleinen), gesungen, gelacht und so weiter.

Es ist kaum zu glauben, aber irgendwann machten wir uns dann tatsächlich auf dem Weg aus dem Stadion. Wo geht man hin, wenn 96 die beste Saison der Vereinsgeschichte mit einem Heimsieg abschließt und neben der AWD-Arena Frühlingsfest ist? Richtig, zum Frühlingsfest.

Wir hatten auch gar keine große Wahl, da Herkel sich offensichtlich fest vorgenommen hatte, Karussell zu fahren. Die Fürstin war auch mehr oder weniger begeistert von der Idee, jedenfalls saßen die beiden kurze Zeit später mit Daniel in einer dieser schrill blinkenden Schleudermaschinen, die man von Frühlingsfesten so kennt. Jeder der 3 genoß diese Fahrt auf seine persönliche Art und Weise; Daniel einfach nur still und friedlich grinsend, Herkel eher still und zurückhaltend und mit verzweifeltem Blick an seinen Sitz gekrallt, und die Fürstin packte in gefühlten 96m Höhe ihren Schal aus und stimmte lautstark das Europapokallied an.

Ob es an den Sangeskünsten von René lag, oder doch eher an den Schleuderqualitäten der Maschine, Herkel jedenfalls sah vorerst bedient aus.

Also machten wir es uns für ein paar Stündchen in einem dieser wunderbaren Zelte gemütlich, wo man Herrenhäuser und Lüttje Lage bekommen kann, und verbrachten dort einige Zeit.

Zu später Stunde dann brachen wir doch noch einmal auf um weiterzuziehen, und fanden den Weg in ein weiteres dieser wunderbaren Zelte, wo man hannöversche Spezialitäten bekommen kann, nur dass in diesem auch Musik gespielt wurde.

Sehr zur großen Freude der Karussellfahrer, die damit tief in die Abgründe ihres musikalischen Verständnisses blicken ließen. Während Hannes neben mir fast den Tränen nahe war („Erschieß mich Manu, bitte erschieß mich!) zogen Herkel und René das komplette Pur-Medley knallhart durch, um gleich darauf zu „Heute Abend hab ich Kopfweh“ einen flotten Discofox aufs Zeltparkett zu legen. Gott sei Dank waren Hannes und ich da und bewiesen, dass auch zu solchen Liedern der einzige akzeptable Tanzstil der Pogo ist.

Später am Abend sollen noch irgendwelche Leute gesichtet worden sein, die zu YMCA mit runtergelassenen Hosen auf der Tanzfläche standen. Didier Ya Konan war es wohl nicht, aber vielleicht hatte sich da jemand ein Beispiel an ihm genommen.

Alles in allem war der 14. Mai 2011 irgendwie ein völlig verrückter Tag. Aber alles in allem war auch die Saison 2010/2011 eine völlig verrückte Spielzeit.

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb: Ein grandioser Abschluss einer grandiosen Saison, die uns allen viel Freude bereitet hat.

Danke 96, danke 96Kölsch, bis zum nächsten Jahr in Europa!

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