FC Sevilla – Hannover 96 1:1 (1:1) am 25.08.2011 um 21:05 Uhr

“Die Sonne schien bei Tag und Nacht.”

Am Donnerstag ging es früh morgens los: Um 6 Uhr wurden die Leute eingesammelt und auf verschiedenen Routen Richtung Eindhoven gefahren. Man traf sich auf dem Parkplatz direkt neben dem Terminal, der von der Lohse-Touristik gebucht worden war. Im Terminal saß auch schon die erste Gruppe von Sechsundneunzigern, die sehnsüchtig auf den Flug Richtung Sevilla warteten. Zur Begrüßung wurde die erste Flasche Sekt geköpft, drei weitere Runden Bier wurden vertilgt, bevor man den Flieger bestieg. Die Taxis zum zentrumsnahen Hotel hatten allesamt einen unterschiedlichen Festpreis, und zumindest ein Taxi eine Original-Flamenco-Musik in 100dB Lautstärke zu bieten! Der zusätzlich gebuchte Mietwagen ließ ein wenig auf sich warten, so dass am Flughafen noch Herr Schatzschneider begrüßt werden durfte.

Im hoteleigenen Patio wurde sofort die Fahne gehisst und diverse Runden Dosenbier vom Chinesen um die Ecke vertilgt. Herkel stellte in dieser Runde seine diversen Stadion-Outfits vor, entschied sich letztendlich für das gewinnbringende weiße Hemd. Angeheitert schlenderte die Gruppe Richtung Stadt und kehrte zum Mittagessen in eine Tapas-Bar ein. Dort haben wir zunächst erfahren, dass keine Tapas serviert werden, diverse Teller mit Leckereien wurden dennoch gereicht. Imponiert hat ein Kürbis-Gitarre spielender Senegalese, der nach knapp zehn gezupften Tönen und dem Gesang „Bidde-bidde-Danke-danke-Alemania-Senegal“ seinen Sammeltopf herumreichte und auf eine Entlöhnung wartete. Es wurde ihm zunächst einmal ein „Eviva España“ entgegengeschmettert, wobei er zwar versuchte, diesen Song auf seiner Kürbis-Gitarre mitzuspielen, aber nach unserem Finale wieder auf sein bewährtes „Bidde-bidde-Danke-danke-Alemania-Senegal“ überging. Interessanterweise wendete er den gleichen Text auch beim offensichtlich spanisch sprechenden Nachbartisch an – auch dort mit mäßigem Erfolg.

Nach dem Schmaus ging es weiter zur Kathedrale, dem offiziellen Treffpunkt vor dem Spiel. Bei strahlendem Wetter und 33°C wurde die Fahne aufgehängt, es wurde gesungen, vorgefreut, und natürlich tauchte sujo irgendwann irgendwo in dieser Menge auf. Nach einigen weiteren Kaltgetränken setzte sich der Marsch Richtung Stadion in Bewegung. Kurz vor dem Stadion, das in der Bauweise äußerlich einer Stierkampfarena ähnelte, suchten wir noch eine Bar auf, in der Bier in Liter-Gemäßen serviert wurde. Carsten fraternisierte mit diversen Fan-Gruppen, am Stadion wurde der Mannschaftsbus in Empfang genommen, Pogatetz hat Hannes zugewunken. Da der user_65_cimg2965.jpgBlock angeblich überfüllt war, wurde die Gruppe getrennt, ein Teil saß/stand im Oberrang, der andere im Unterrang, Herr Kipp nahm auf Platz 696 Platz. Hannes und Philipp sorgten mit freiem Oberkörper vor Spielbeginn für den ersten Höhepunkt… Direkt nach Sonnenuntergang erfolgte der Anpfiff: Sevilla machte Druck, Zieler war auf dem Posten. Nach Flanke Raúsch machte Moa das Ding in perfekter Spagathaltung, das spanische Publikum pfiff. Auch nach dem Ausgleich wurde das Stadion nur selten zum viel zitierten Hexenkessel: Zwei Mal jedoch machte das spanische Publikum so viel Krach, dass der eigene Gesang nicht mehr zu verstehen war. Sevillas Drangphase kam nach der Halbzeit, die letzten 30 Minuten waren unglaublich spannend, es blieb beim 1:1! Ob von der Polizei im Block gehalten oder nicht: Das hannöversche Publikum sang bis weit in die Nacht hinein im Stadion. Insbesondere die vier zur Strafe auslaufenden spanischen Spieler mussten das zu ihrem Leidwesen erleben.

Nach dem Spiel sind wir in einer Cerveseria unweit des Stadions eingekehrt. Dort traf man weitere Bekannte aus anderen Fahrten wieder, die Fahne wurde aufgehängt. Herkel freundete sich mit Carlos, einem Betis-Fan an und tauschte mit ihm seinen Schal. Capo-Klaas hatte seinen ersten Auftritt an diesem Abend, die Umherstehenden 100 Hannoveraner hingen an seinen Lippen: „Pyromanen“ bekam nach jeder Strophe Szenenapplaus, die Choreo von „Abdellaoue-Ya Konan“ wurde mitgemacht, „Ramm-tamm-tamm“ sorgte mit vielen improvisierten Strophen für Stimmung. Youtube-Hannes ließ sich ein wenig mehr bitten, wurde vom Volk frenetisch singend aufgefordert, dann erschallte Eviva España durch das weite Rund: Wir waren laut! Vier Endvierziger-Damen (unter ihnen vermutlich die Mutter von Pogatetz) waren hin und weg…

Dann kamen die Hooligans… Aus dem Nichts tauchte auf einmal eine Gruppe ca. 30 angestachelten Jungspaniern auf, die zahlreiche auf dem Boden schleifende Metallstangen mit sich führten. Sie fragten in wilden Gesten die Umherstehenden: „Hooligans? Hooligans?“ Philipp, der aufgrund seines Standorts als Speerspitze fungierte, blieb sehr aufrecht stehen und führte in sehr ruhigen Worten das Gespräch. Der energische Aussage „We got text message from German Hooligans: Meet here!“ wurde mit einem gekonnten “Not us…” der Wind aus den Segeln genommen. Während dessen flüchtete ein Teil der Sechsunsneunziger in die Cerveseria, Herkel entsorgte seinen neu erworbenen Betis-Schal, Betis-Mann Carlos lief weg, man hörte aus der Kneipe die Worte „Schnappt Euch Stühle!“ Gereon, zu Beginn der Aktion neben Philipp stehend, trat einen Schritt zurück und begutachtete umringt von kleinen Spaniern die Szene. Philipp deutete seelenruhig auf einen Tisch und zeigte den aufgeregten Spaniern die Gruppe der Endvierziger-Damen: „Look, we have got women and wives“, was den Gang-Anführer letztendlich überzeugte, dass er es nicht mit Hooligans zu tun hatte (unser Dank an dieser Stelle an Philipps Eltern, die ihm ein Auslandssemester in den USA spendiert haben!). Lediglich ein Gang-Mitglied wollte noch die mitgeführten Rucksäcke nach Schlagwerkzeugen durchsuchen. Der Anführer schüttelte Philipps Hand und verabschiedete sich mit den Worten: „How do you say in English…? Congratulations!“ – und zog ab. Kurz darauf sah man zahlreiche Polizeifahrzeuge in genau diese Richtung fahren. Ein wenig später kehrte Betis-Fan Carlos zurück und hatte unbestätigten Berichten zufolge SOOOO eine Machete dabei. Das muss die umherstehende Polizei mitbekommen haben, denn kurze Zeit später wurde er in einer Aufsehen erregenden Situation festgenommen und abgeführt – nicht ohne das Axel zuvor noch intervenierte.

user_74_sam_0442_converted.jpgDie Stimmung kam nach einiger Zeit zurück, dennoch zog man ein paar Kneipen weiter, hängte die Fahne auf und traf wieder die gleichen Leute: Capo-Klaas und Youtube-Hannes erfreuten das Volk, Klaas erlebte dabei seinen großen Durchbruch! „Glory Glory Sechsundneunzig“ wurde angestimmt, Andreas machte den Mambo, zahlreiche vorbeifahrende Betis-Fans jubelten uns zu, nicht-jubelnde Autos wurden im Vorbeifahren mit 96-Aufklebern dekoriert: Wir waren laut! Als die Bar schloss, zog man auf verschiedenen Wegen Richtung Hotel zurück. Als Andreas den Orientierungskünsten von Gereon nicht mehr trauen wollte, wurde ein Taxi bestellt, was die unglaubliche Summe von 2.32€ verschlang.

Am nächsten Morgen überraschte Gereon Willu mitten in der Tiefschlaf-phase um 11 Uhr mit der Frage „Gibt’s hier eigentlich so ein Ding?“, womit ganz klar die Aufforderung gemeint war, doch bitte das „Bitte nicht stören“-Schild an der Hoteltür anzubringen, bevor das Raumpflegepersonal das Zimmer stürmte. Die 96Kölschen trafen sich nach und nach ab 11.30 Uhr zum Frühstück auf einem schattigen Platz unter Orangenbäumen. Herkels drehten die erste Shopping-Runde, Philipp wusste zu berichten, dass die in seinem Zimmer übernachtende Australierin morgens von hinten gar nicht schlecht aussah, Hannes verstand endlich, wie man im Hotel das Licht einschalten konnte, es herrschte Traumwetter, das Präsidentenpaar blieb verschollen.

Bei einem kleinen Bummel durch die Stadt („Una Cervesa grande – wozu brauchen wir eigentlich Axel?“) erfuhren wir mit Hilfe modernster Kommunikationstechnik die Gegner der Gruppenphase, andere Passanten hörten ebenfalls interessiert zu. Wir liefen durch ein Straßencafé, aus dem auf einmal ein dreifaches „Hannes!“ erschallte: Die Endvierziger-Damen hatten Hannes wieder erkannt, was ihm sichtbar peinlich war. Die vierte der Dame der Gruppe trat wenige Augenblicke ebenfalls mit einem erfreuten „Hannes!“ auf den Lippen auf die Straße. Das Präsidenten-paar fragte per SMS nach, wo wir gerade seien, Andreas antwortete mit einem informativen „In der Stadt“. Als Axel und Maja beim Rest der Gruppe eintrafen, steuerte man eine Tapas-Bar an. Dort gab es Bier aus Zahnputzbechern, den schlechtesten Autofahrer user_139_p1030037.jpg der Welt zu bewundern, Gereon lernte, dass einige Dinge einfach zu akzeptieren sind, Herkels gingen zum zweiten Shopping-Gang. Ein erneuter Bummel durch die Stadt folgte, Klaas kaufte einen FC Sevilla-Hut mit der Ankündigung, von jedem Gegner, den 96 raushaut, eine entsprechende Kopfbedeckung zu erwerben, man landete in einem 1€-Laden mit einem interessanten Geschäftsmodell: Ein halber Liter Bier kostete 2€. Bei einer gleichzeitigen Abnahme eines Minibaguettes für 1€ halbierte sich der Preis des Bieres jedoch. Die Stimmung war riesig, man zog bei einbrechender Dunkelheit weiter in die nächste Cerveseria, diesmal direkt am Fluss Guadalquivir. Es wurde gespeist, der Kellner machte sich lang, allgemein war der Service zu langsam. Also zurück durch die Stadt zum hotelnahen Platz. Unter Orangenbäumen wurde das letzte Bier getrunken, die Anreise zu den Gruppenspielen wurde geplant (→ mit dem Bierbike nach Lüttich, im 9er nach Kopenhagen, mit der Bahn nach Poltawa), danach bettete man sich zu einer kurzen Nacht. 5.15 Uhr holten uns die Taxis ab, der Flug war ruhig, in Eindhoven verteilte man sich in die übrigen Autos.

Fazit: Sevilla oder Mailand – Hauptsache Bukarest

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