FC Brügge – Hannover 96 0:1 (0:1) am 23.02.2012 um 19:00 Uhr

Brügge sehen und siegen – eine Reise ins Land der 1341 Biere

Die Hinreise

Man traf sich unchristlich früh gegen 7.00 Uhr zur Fahrt mit dem Auto nach Eupen. Philipp war etwas knapp in der Zeit, musste zum Treffpunkt rennen und war deshalb so verschwitzt, dass er keinen heißen Kaffee trinken konnte; folgerichtig trank er kühles Bier. Cori hatte literweise Kaffee getrunken, sodass bald Vorfreude auf ein Klo in Eupen geäußert wurde. Nach einiger Zeit war sie zu keiner Unterhaltung mehr in der Lage, und hätte Gereon in Eupen irgendwo angehalten, wäre sie garantiert ohne Rücksicht auf nicht vorhandene Deckung zur Tat geschritten.

Kurz vor Aachen erreichte uns die Nachricht, dass Auto 2 noch im Kölner Berufsverkehr feststeckte, und erst, als alle anderen schon in Eupen waren, meldete Auto 2 die erfolgreiche Anfahrt auf Aachen, wo obk noch eingesammelt wurde. Auto 1 und die Bonner hatten schon palettenweise Bier (Jupiler) besorgt, so dass uns nur die Tatsache beunruhigte, dass das Navi für Auto 2 eine Ankunft 5 Minuten vor Abfahrt des Zuges vorhersagte.
In der Bahnhofshalle wurde extra die Scheibe des Schalters hochgeschoben und der Bahnbeamte rief uns zu, unsere Reservierung sei in Wagen 3 – toller Service! Tatsächlich waren unsere Plätze schon von Außen zu erkennen, weil Schilder mit „Reserviert für 96 Kolsch“ an den Scheiben hingen. Auto 2 kam noch rechtzeitig an und es ging los. Es stellte sich heraus, dass die Insassen des späten Wagens weniger nervös gewesen waren als wir, da sie für den Fall der Fälle schon geplant hatten, sich in Eupen mit Bier die Zeit zu vertreiben und sich dann von Freddy abholen zu lassen, der ja später mit dem Auto fahren wollte.

Cori und Andreas lieferten ab der Staatsgrenze von Wallonien eine wunderbare Hommage an Waldorf und Statler, indem Cori immer wieder betonte, wie hässlich Belgien doch sei und Andreas jedes Mal dagegen hielt, es sei einfach eine wunderbare Landschaft.

Nebenbei wurde noch über die Verteilung der Schlafplätze verhandelt, da in Coris Zimmer noch ein Platz frei war. Ihre Sprachkünste (englisch, französisch, ein bisschen spanisch und noch einiges mehr) beflügelten die Fantasien einiger männlicher Mitreisender außerordentlich… Ein Schlafplatz war allerdings klar: Gereon hatte sich gleich im Zug hinter der Tür in die Ecke gesetzt und schlief – von Eupen bis Brügge.

Wie nicht anders zu erwarten war, hatte Klaas dem Anlass gemäß ein neues Liedchen dabei: Es wurde zum Renner des Tages, und vor allem Andreas stimmte es immer wieder begeistert an.

Nett zu beobachten war auch der eifrige Ausmarsch der Raucher vor jedem Bahnhof und der enttäuschte Einmarsch bei Einfahrt in selbigen, weil man in Belgien auf Bahnhöfen nicht rauchen darf. (Vor der Rückfahrt in Brügge wurde allerdings ein belgischer Raucher direkt unter einer Überwachungskamera gesichtet, was zu anderem Rauchverhalten im Bahnhof führte.)

Während wir alle im Hotel eincheckten und auf diesen und jene warten mussten, las Klaas, im Fanmag, dass auf dem Marktplatz noch nichts los sei. Er postete: „Dann gehen wir jetzt mal hin.“

Der Marktplatz in Brügge

Zu Fuß begaben wir uns in die Stadt, wobei Cori begeistert fotografierte, weil Belgien hier doch ganz schön war. Dementsprechend wurde sie auf jedes vermeintliche Fotomotiv hingewiesen, wobei ein gewisser Übereifer der Motivfinder nicht zu leugnen ist. Enttäuscht mussten wir feststellen, dass in unserer „Einfallstraße“ die Hausnummer 96 fehlte (ich vermute, dass sie entweder schon geklaut war, oder der Hausbesitzer sie in weiser Voraussicht abmontiert hatte).

Auf dem Marktplatz angekommen, quasselte Cori erstmal eine Gruppe belgischer Polizisten auf Französisch an, um dann eine deutsche Antwort zu erhalten. Sie beschäftigte die Gruppe erfolgreich und brachte dabei in Erfahrung, dass der Turm am Marktplatz wegen Renovierungsarbeiten derzeit nicht zu besteigen sei. Die anderen hängten in der Zeit die Fahne zwischen zwei Fahnenmasten auf. Sie hing derartig gut, dass sie im Laufe des Nachmittags oft zum Hintergrund für Fotos oder auch als Treffpunkt anderer Hannoverfans diente.

Mitten auf dem Platz war eine „Urinalsäule“ aufgebaut, wo Mann sich in sein Viertel stellte und in ein Rohr pinkelte. Dank stetem Biergenuss (die Supermärkte am Marktplatz hatten am Ende kein alkoholhaltiges Bier mehr) und einigen Rauchern, die ihre Kippen auch in die Rohre entsorgten, liefen zwei Stehplätze bald über, was aber nicht alle davon abhielt, sie dennoch zu benutzen.

Nachdem sich alle mit belgischen Fritten gestärkt hatten, traf auf dem Marktplatz eine Fernsehkamera ein, die Andreas mit den Worten „Ich will interviewt werden!“ zu einem Blitzstart veranlassten. Tatsächlich wurde er von den Belgiern ausführlich befragt und durfte stolz registrieren, dass sie nach seiner Befragung wieder zusammenpackten, sie hatten wohl alles, was sie brauchten. Hinterher erzählte Andreas, er habe die ja nur mal fragen wollen, für welchen Sender sie arbeiten, und da hätten sie ihn doch gleich mit Fragen gelöchert… tse, tse,… muss ich mich wohl vorher verhört haben…

Nach einer Weile traf Step ein und brachte als Willkommensgruß eine Palette Dosenbier (Jupiler) mit; auch Freddy war irgendwann da.

Während „Detlef-Benny“, auch BAB genannt (Benny aus Bonn), mit seinem Hostel ganz zufrieden war und erzählte, da seien heute morgen Randalierer aus Hannover rausgeschmissen worden, berichteten Philipp, Hannes und obk, dass ihr Hostel etwas heruntergekommen sei und sie trotzdem erstmal 150€ Kaution hinterlegen mussten. Dies konnte nicht per Kreditkarte geschehen, weil das Lesegerät von Birmingham-Fans geklaut worden war. Hannes traf dann auf dem Marktplatz einen ehemaligen Klassenkameraden, der erzählte, seine Kumpels und er seien morgens aus ihrem Hostel geflogen, weil sie in der Nacht randaliert hätten…

Zwei Mitglieder der Gruppe erwähnten wiederholt, sie würden morgen früh um 10 Uhr mit dem Sightseeing beginnen, was ihnen ein mitleidiges „Jaja, unsere Rotzevollskis“ eintrug.

Gegen 17.00 Uhr marschierten große Fahnen auf und es hieß allgemein, gleich ginge es los.

12 km hin und zurück

Als sich die Fahnen als Beginn des Zuges in Bewegung setzten und der ganze Marktplatz zu singen begann, gingen die Pferde vor den Kutschen fast durch und mussten einmal im Kreis gefahren werden – mitten durch die Menschenmenge! Ein Kompliment an die Kutscher, dass keiner unter die Hufe kam.

Singend begleiteten die Hannover-Fans den Betriebsausflug der belgischen Polizei, der dieses Jahr als Radtour durchgeführt wurde. Freundlicherweise hielten sie mit ihren Rädern so nebenbei für uns ein paar Autos auf und pflückten einen schwer angeschlagenen Menschen aus einem Vorgarten, wo er sich vor einem Panoramafenster direkt vor den Augen der empörten Hausbesitzer erleichterte.

Überall winkten uns Cercle-Fans (Farben: schwarz-weiß-grün) zu und wünschten uns alles Gute, sodass einige misstrauisch wurden, ob wir nicht in eine Falle gelockt würden.

Nach und nach kamen wir dann dort im Zug an, wo wir eigentlich immer sind: ganz hinten. Benni versuchte uns zwar mit Slogans wie „wir müssen mal ein gemeinsames Tempo finden“ zusammenzuhalten, aber das funktionierte eigentlich nur, weil jeder irgendwann mal in die Büsche ging und dann ganz erfreut wieder auf bekannte Gesichter stieß.

Alle haben es versucht: Hannes, Axel, Gereon, Philipp, Benny… eine der jungen Damen sollte mal ein Wasser oder eine Cola trinken nach dem ganzen Bier. Aber diese war entweder empört, mit etwas anderem beschäftigt („Ne! Mann, ich muss Andreas erstmal Feuer geben!“) oder sie hat es ignoriert; ne Dose Bier hat sie aber noch genommen. Da die anderen auch nicht viel nüchterner waren, wurde sie am Stadion wieder mal beauftragt, die Polizei auf Französisch um Informationen zu bitten, denn wieder dachte keiner daran, dass man in Brügge flämisch spricht und französisch überhaupt nicht mag…

Hier trennte sich die Gruppe. Die einen legten alle Erkennungszeichen ab, die anderen bekamen dafür um so mehr zu tragen. Das war aber nur fair, denn während sie direkt in den Block konnten, mussten wir noch mal gefühlt 2km um das Stadion und einen Wohnblock herumtraben. Zu unserer grenzenlosen Verblüffung wurden wir nicht einmal abgetastet. Einfach Karte scannen und rein, das wars!

Da der Block leer war, sammelten sich die Hannoveraner in der Nachbarschaft zum Fanblock. Kurz vor Beginn des Spiels kamen dann auch die Belgier in den Block und beharrten auf ihren Plätzen, so dass aus unserer Achtergruppe zwei Vierergruppen wurden.

Hannover begann erstmals mit MoMa-Sturm. Nach dem Anpfiff begann ein zehnminütiges Eckentraining für Brügge, freundlicherweise direkt vor unserer Nase, was zumindest meinen Adrenalinspiegel etwas steigen ließ. Danach begann das eigentliche Fußballspiel. In der 21. Minute ließ uns Dioufs Treffer nach einer Flanke von Stindl jubeln, doch das hatte Folgen. Die Belgier in unserem Block fanden das gar nicht lustig, direkt links von uns mussten Ordner Fäuste schüttelnde Fangruppen voneinander abhalten. Im anderen Block wurde Cori von Benny davor gerettet, als Fußabtreter zu enden, als ihr mehrere Leute in den Rücken sprangen im Bestreben, den Pufferblock zu erreichen, der gerade geöffnet wurde, um Hannoveraner aus der Haupttribüne in den Fanblock zu lassen, weil dort ein Trupp Brügger hochgesprintet war, um sie zu vermöbeln.

Auch unser Vordermann, der mit einem Kumpel und seinen zwei Söhnen da war, regte sich auf. Klaas und Andreas verwickelten die Gruppe aber immer wieder ins Gespräch, und später beobachteten wir amüsiert, wie der Sohnemann seinem wütenden Papa mit der Pappklatsche eine überbriet, damit er die Klappe hielt.

Sehr absurd war die Situation, als Zieler Eggimann k.o. gehen ließ, Eggimann einen Freistoß kriegte und Zieler gelb (die hat er natürlich wegen Meckerns bekommen, was nur halb so lustig ist).

In der zweiten Halbzeit wollten beide Mannschaften ein Tor, was das Spiel ziemlich spannend machte. Zieler fischte so einige Bälle aus der Luft, aber auch der Brügger Torwart hielt leider gut und Abdellaue war sehr eng gedeckt und hatte dementsprechend wenig Platz.

Die offensive Schlussphase wurde von 96 aber auch erfindungsreich zum Zeitschinden genutzt. So bückte sich Zieler zum Ball, nahm ihn aber erst auf, als der Brügger Gegenspieler ganz nah an ihn heran gelaufen war. Oder Schmiedebach stellte sich an der Eckfahne mit dem Hintern zum Gegenspieler vor den Ball und wartete, bis er angegriffen wurde…

Nach Ende des Spiels mussten wir ziemlich lange (aber singend) im Block bleiben, bevor wir alle zusammen den kurzen Weg (durch den Gästeblock) aus dem Stadion antreten durften, um uns auf unseren laaaaaaaaaaangen Weg in die Stadt zu begeben.

In der Stadt waren die Kneipen rappelvoll, doch wir fanden noch eine Stehbar, in der sogar Fußball lief. Wir baten darum, das Schalkespiel sehen zu dürfen und der Barkeeper schaltete netterweise um – auf das Spiel gegen Wolfsburg von letzter Woche…

Auf dem Heimweg traf man plötzlich wieder auf Step, der sein Hotel nicht wiederfand und im Kreis lief, bekannte Gesänge hörte und erfreut darauf zustrebte. Axel bekam viel später, als alle schon im Bett lagen, eine SMS von Step: „Der Adler ist gelandet“ (er hatte sich zu guter letzt verzweifelt ein Taxi genommen und 8€ bezahlt).

Der Trupp auf dem Weg zum Etap-Hotel war sich ob der Richtigkeit ihres Weges auch nicht so ganz sicher, doch als die Hausnummer 96 kam war klar: Falsche Straße! Gottseidank war es nur die Parallelstraße und man musste Steps Schicksal nicht teilen.

Daniel war sich nicht sicher, ob der Bahnhofsvorplatz überquert werden sollte, oder ob man abkürzen sollte…

Gereon und ich waren allein heimgegangen und trafen auf den Stufen vom Bahnhofsvorplatz auf ein paar Hannoveraner, die uns erfreut „klatschen“ wollten, um dann leicht enttäuscht festzustellen: „Ach ne, das sind die Kölner.“

Die Etap-Zimmer verfügten über eine Holztür, hinter der sich das Klo befand, dessen Beleuchtung über einen Bewegungsmelder anging. Herkel sah sich vor dem zu Bett gehen außerstande, diese Örtlichkeit zu benutzen, denn „mit Lichtschranke kann ich nicht“. Nicht viel später in der Nacht wachte Benni davon auf, dass Herkel das ebenerdig gelegene Zimmer durch die Balkontür verlassen wollte, die sich – da gesichert – als widerspenstig erwies und ihm den Weg zum rettenden Grün (Bahnsteig) nicht freigab. Bennis Frage, warum er denn nicht das Klo benutze, beantwortete Herkel mit einer Gegenfrage: „Ist hier denn eins?“ Nachdem Benni ihn davon überzeugen konnte, dass hinter der Holztür nicht der Schrank auf ihn wartete, verlief der Rest der Nacht – von gelegentlichen Zugdurchfahrten und Hannoverwechselgesängen abgesehen – ruhig.

Ein Morgen in Brügge

Cori, Gereon und ich trafen uns schon um 9.30 Uhr in der Lobby, gingen dann aber getrennt frühstücken. Cori wählte den hoteleigenen Frühstücksraum, der mit Hannoveranern gefüllt war, deren keiner auch nur ansatzweise lächelte; man hätte meinen können, 96 hätte am Vorabend eine ordentliche Packung bekommen. Wir sahen uns nach einem Frühstück in der Stadt das Frittenmuseum an und kauften kiloweise Pralinen, Cori kümmerte sich unterdessen darum, dass auch der Rest der Truppe zu einem Frühstück in die Stadt fand. Wir trafen uns kurz vor dem Marktplatz wieder und strebten dem Wasser (=“Meer“) zu. Die Frage, ob wir eine Bootsfahrt machen sollten, beantwortete Klaas für sich mit: „Das lassen wir heute mal schön bleiben!“

Nichtsdestotrotz fand sich ein Trupp, der sich aufs Boot wagte („das ganze Boot, das hüpft, olé, olé“), der angeschlagenere Teil der Gruppe begab sich zu einem Tisch mit Blick auf das Wasser und gönnte sich ein Bier. Sie kamen zu der philosophischen Einsicht, dass Enten sich selber essen würden, wenn sie wüssten, wie lecker sie sind.

Zurück am Bahnhof trafen wir auch wieder auf Axel und Daniel, die mit Hansi Küpper gefrühstückt hatten. Dieser meinte sich zu erinnern, sie seien die aus dem Mannschaftshotel in Poltawa gewesen, doch schon in die Bejahung fragte er: „Oder seid ihr das mit dem Taxi gewesen?“, Axel: „Das waren wir auch!“

Rückfahrt

Gereon schläft. Cori schläft. Benni schlägt sich beim Schlafen den Kopf an, Andreas macht beim Schlafen ein schnappendes Geräusch, das zu dem Ausspruch verleitet: „Guck mal einer nach, ob er noch lebt!“

obk will doch noch mal eine zweite Biersorte kennen lernen und probiert ein Rodenbach, das er großzügig auch alle anderen probieren lässt und sich dann über die entgleisenden Gesichtszüge eines jeden Probanden kaputtlacht.

Die Problematik der Radtour als Jahresfahrt in Bezug auf Herkels mögliche Überanstrengung wird gelöst: Er mietet sich einfach eine Rikscha! Und da Philipp kein Fahrrad hat, wird er die Rikscha fahren.

Und zu guter letzt wird noch das nächste Euroleagespiel in Lüttich geplant. Klaas: “Da fahren wir einfach mit unserem eigenen Wasserwerfer auf den Marktplatz, und dann geht’s los!“ Hannes: „Lütticher Lage!“

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